Dienstag, 31. März 2015

Lehrwerke im SU?

Grafik: Nicole Trapp
Blog Frau Locke
Danke an alle von euch, die an der Umfrage zu "Lehrwerke im Sachunterricht" teilnahmen. Hier das Ergebnis:
Auf die Aussagen
  • Ich nutze ein Lehrwerk, weil es mich in meiner Arbeit unterstützt. folgten 51 Stimmen
  • Ich nutze kein Lehrwerk. folgten 166 Stimmen
  • Ich würde gern ohne Lehrwerk arbeiten, muss mich aber an die schulischen Bedingungen halten. folgten 35 Stimmen
  • Ich halte die Nutzung eines Lehrwerkes im SU für unnötig. folgten 132 Stimmen

Für mich waren auch die Kommentare dazu interessant, in welchen zumeist zum Ausdruck kam, dass gern ohne Lehrwerk gearbeitet wird. Die meisten plädierten also für einen Sachunterricht ohne Nutzung eines Lehrwerkes. Nun bin ich darüber nicht erstaunt, dennoch ist die von mir beobachtete Realität in den Schulen eine andere. Es arbeiten sehr viele Schulen in Sachsen mit einem Lehrwerk, Arbeitsheft und weiteren Zusatzheften (z.B. zum Thema "Sachsen"). Viele Schulen schwören auch darauf und bestellen seit Jahren ihre Lehrwerke z.T. beim gleichen Verlag. (Schulbuch+Arbeitsheft+Lehrerband+Kopiervorlagen)
Es wäre jetzt von mir geheuchelt, wenn ich mich vehement gegen die Nutzung von Lehrwerken im SU aussprechen würde, denn ich habe viele Jahre als Mitautorin eines Lehrwerkes gearbeitet und selbst lange Zeit mit Lehrwerk meinen Sachunterricht gestaltet. Das Umdenken bei mir kam schleichend. Als ich dann in meiner damaligen Koboldklasse begann, mit Lernwegen (Idee aus dem Zaubereinmaleins) zu arbeiten und immer wieder meine Materialien den Lernfortschritten, Interessen der Kinder anpasste, war mir das SU-Lehrwerk oft im Weg. Ich merkte auch, dass ich sehr gebunden und regelrecht getrieben war, diese Seite anzumalen, dort etwas ausschneiden zu lassen und da noch etwas zu kleben....nix gegen diese Arbeitstechniken, aber gerade in Klasse 1 solltet ihr sehr genau schauen, was das entsprechende Lehrwerk zu bieten hat. Es kann nämlich Hindernis, aber auch Hilfe sein. Hinderlich (für die Kinder) ist es dann, wenn nur Buchunterricht stattfindet und das Lernen am Original bzw. das Erfahrungslernen außer Acht gelassen wird. Leider habe ich solchen Sachunterricht in meiner Zeit als Fachberaterin nicht selten erlebt.
Hilfe kann ein gutes Lehrbuch aber auch bieten.Deshalb habe ich mir Gedanken gemacht (immer bezogen auf Sachsen), was ein gutes Lehrwerk für mich auszeichnet....Sicher sind meine Gedanken dazu nicht vollständig und deshalb bin ich dankbar, wenn ihr helft, sie zu ergänzen. Das perfekte Sachunterrichtslehrbuch wird es sicher nie geben...behaupte ich mal!
Hier noch ein Link, in welchem ihr Informationen zur Sprachförderung im Sachunterricht findet. Genau an solchen Aufgabenstellungen, die hier mal wunderbar unter die Lupe genommen werden, scheitern viele Kinder, nicht nur die, die Deutsch als Zweitsprache erlernen. Liest du hier!

Zum Schluss noch einige Worte an die, welche ohne Lehrwerk arbeiten: Ich finde es gut und bemerkenswert, dass es solche Lehrer verstärkt gibt, denn DAS bedeutet einen unheimlichen Mehraufwand an Arbeit. Vieles wird erstellt, an die Lerngruppe angepasst und mit Sicherheit lange und intensiv durchdacht. Außerdem wird der Geldbeutel schmaler, weil es ja tolle Materialien (Werkstättenetc.) zu kaufen gibt ...(was ich nicht gutheiße....diese Anschaffungen müssen über die Schulen laufen!!!!). Ich weiß, wovon ich schreibe, denn ich habe mich als Lehrerin von den Lehrbüchern "wegentwickelt"(das ist übrigens einer von vielen Gründen, warum ich keine Mitautorin mehr bin).
Deshalb sind aber Kollegen, die gern mit Büchern und Arbeitsheften arbeiten, nicht die schlechteren Lehrer....so will ich hier auch nicht verstanden werden! Gerade für Berufseinsteiger kann ein Lehrwerk hilfreich sein. Aber evtl. haben einige doch mal Lust ( Mut, Kraft und Zeit...ich weiß, was 28Stunden in Vollzeittätigkeit heißen!) und lassen das Buch öfter mal im Schrank.
Den anderen sage ich: Macht weiter so, aber passt auf euch auf. Nichts und nemand ist perfekt.....siehe oben

1 Kommentar:

  1. Liebe Arnie,

    vielen Dank für deine interessanten Ausführungen und den Link zu dem Artikel über Sprachförderung im Sachunterricht. Das Gefühl des "Getriebenseins", wenn man mit einem Buch arbeitet, kenne ich auch. Es werden u.a. in den Pusteblume-Doppelbändern (Klasse 1/2 bzw. 3/4)sehr viele Themen angeboten. Man kann das gar nicht schaffen, vor allem, wenn man einiges intensiver und handlungsorientierter erarbeiten muss und möchte. Es bleibt nicht zuletzt den Eltern gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil sie die Hefte anschaffen. Da müssen wir sicher an unserer Schule noch umdenken.

    Liebe Grüße
    *rubbel*

    AntwortenLöschen

Ich freue ich mich über ehrliche, kritische Kommentare und hoffe auf eine vielseitige "Kommentarkultur" in diesem Blog. Auf alle veröffentlichten Kommentare kann ich aus Zeitgründen nicht immer sofort reagieren.Ich bemühe mich aber, Fragen schnellstmöglichst zu beantworten.
Eure Arnie