Mittwoch, 16. Dezember 2015

Gedanken zu Klassenarbeit Klasse 2

pixabay
Nun möchte ich natürlich an dieser Stelle einige Gedanken zu diesem Post loswerden, da dieser vielfältig kommentiert wurde. Hierfür herzlichen Dank! Mich hätten allerdings auch die Meinungen der sächsischen Kollegen interessiert, aber ich glaube dafür haben viele jetzt gar keine Zeit...

Die veröffentlichte Klassenarbeit entspricht den Forderungen, die an LeBe in Sachsen Klasse 2 (welche laut Verordnungen und Gesetzen geregelt sind) gestellt werden. Natürlich kann man über Umfang von vier Seiten diskutieren, aber ich möchte auf einige inhaltliche Schwerpunkte eingehen. Aufgabe 1 ist eine Erkennungsübung. Hier waren alle Originale im Klassenzimmer zu finden, mit welchen die Kinder in den SU- Stunden ständig arbeiteten. Begriffsbildung ist ein Schwerpunkt in unserem Lehrplan, das heißt die Oberbegriffe Laubbaum/ Nadelbaum müssen gesichert sein. Dass es nur halbe Punkte in Aufgabe 1 gibt, hat etwas mit den Niveaustufen zu tun. Diese ordnet man, wie in einem Kommentar gut beschrieben, nach Reproduktion/ Reorganisation und Transfer/ Problemlösen zu. Die Aufgabe zum Zeichnen geriet sehr in die Kritik. Skizzieren ist eine Arbeitstechnik im SU, welche Kinder erlernen und trainieren. Diese Teile eines Baumes werden im sächsischen Lehrplan verlangt: Wurzel, Stamm, Ast, Zweig, Krone, Laubblatt. Ich weiß, dass die Kollegin sehr an der Arbeitstechnik gearbeitet hat und deshalb wurde diese Aufgabe gestellt. Da bei Klassenarbeiten/ Kurzkontrollen die Aufgabenformate variieren sollen, ist ein Lückentext auch im SU möglich. Sicher ähneln sich einige Aufgaben inhaltlich, aber über diese Sachen lässt sich immer wieder diskutieren.
Interessant ist für meine Lehramtsanwärter und mich die Tatsache gewesen, wie unterschiedlich bei LeBe innerhalb Deutschlands die Forderungen sind. Wie schon geschrieben- man kann über Bewertung und Benotung vielfältig diskutieren...ob bereits ab Klasse 2 oder nicht, ob zeitangemessen/stoffangemessen oder nicht....und wir können voneinander lernen! Deshalb auch noch einmal DANKE für die sachliche Diskussion und die damit verbundenen Tipps. 
Zum Schluss noch soviel: Die KA ist gut ausgefallen. Die Kollegin ging natürlich auf die Lesekompetenz ihrer Schulkinder ein. Es waren 45 Minuten reine Arbeitszeit- diese brauchten viele Kinder aber nicht.
Was mir persönlich enorm wichtig ist, ist eine nachvollziehbare und pädagogisch gut aufbereitete Bewertung von Schülerleistungen. Dies setzt aber methodisch vielfältigen, gut aufbereiteten Unterricht voraus. Das Abfragen von deklarativem Wissen in Klassenarbeiten und Kurzkontrollen ist eine Möglichkeit, darf meiner Meinung nach aber nicht Priorität besitzen. Es gibt so vielfältige Möglichkeiten Leistungen zu ermitteln und diese zu bewerten. Diese Diskussion würde ich so gern anschubsen. Welche Möglichkeiten nutzt ihr denn?

Kommentare:

  1. Hallo,

    der Seminarfachleiter - eigentlich bin ich Biolehrer für Grundschule und Sek1 - hat uns damals immer wieder und eindringlich davor gewarnt, graphische Abbildungen von Baumteilen (Früchte, Blätter etc.) einzusetzen bzw. er wirkte immer darauf ein, sich primär dem realen Gegenständen bei sachunterrichtlichen oder biologischen Themen zuzuwenden. Ich kann seine Bedenken sehr unterstützen.

    Was nützt es, wenn Kinder Bildchen benennen können, aber an der Realität scheitern? Das ist ein Problem, was bei Kindern und Jugendlichen leider sehr immanent ist! Warum zeigt man Kindern in einer Prüfung Bildchen von Blättern, Früchten etc. anstatt ihnen die konkreten Teile zu geben? Ordne sie... benenne... beschreibe... stelle Gemeinsamkeiten / Unterschiede her etc. Das ginge unter ökonomischen Aspekten sogar in einer Gruppenprüfung - es ist ja schließlich "nur" ein 2. Schuljahr.

    Ich habe selbst mit Biolehrern zusammen gearbeitet, die sich wochenlang mit dem Menschen beschäftigt haben, den Innereien und all dem Schnickschnack, aber wenn die Schüler (7./8. Klässler) gefragt worden sind, wo denn jetzt eigentlich die Leber liege, wo die Eierstöcke bei der Frau in etwa seien, wie groß Dieses und Jenes in etwa ist, ich kann nur so viel sagen: Man glaubt die Antworten nicht, wenn man sie nicht selbst gehört hat. An den scheinbar einfachsten Dingen scheitern die Schüler - obwohl man Stunden damit verbracht hat bzw. sich offenbar mit so viel Anderem thematisch beschäftigt hatte als mit dem zunächst Naheliegendsten!

    Abschließend noch: Könnte die Kollegin bitte den selben Test in 6 Wochen noch einmal schreiben? Ohne Ankündigung wohlgemerkt. ;-)

    Beste Grüße
    Marek

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  2. Hallo Arnie,
    ich sehe das auch wie Marek. Sachunterricht sollte möglichst (wie eigentlich alle Fächer in der Grundschule) handlungsorientiert sein. Das reine Auswendiglernen von Blattformen und Fruchtnamen halte ich für wenig sinnvoll und nachhaltig. Mir sind originale Begegnungen wichtiger. Im Wald kann ich die Schüler nach den Namen einzelner Bäume und Früchte fragen und somit überprüfen, ob die Unterrichtsinhalte verstanden wurden. Ich bin froh, dass in NRW Klassenarbeiten im Sachunterricht nicht vorgesehen sind. In unserem schulinternen Curriculum haben wir zu allen Themenbereichen Vorschläge zur Leistungsbewertung aufgelistet. Dazu gehören Vorträge, Sammelmappen, Plakate, Herbarien, Experimente, Protokolle, Skizzen, Versuche, Portfolioarbeit, Lapbooks etc.. Auch das soziale Lernen und die Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung der Schüler sind wichtige Standbeine des Sachunterrichts an meiner Schule. Wir haben durch unser Curriculum eine gewisse Themenvorgabe, ich bin aber in der genauen Themenauswahl und der Reihenfolge flexibel. Mir ist es auch wichtig, welche Themen für die Schüler relevant sind, wofür sie sich interessieren. So planen wir die Sachunterrichtsthemen gemeinsam und transparent für alle.
    Viele Grüße
    Jörg

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  3. Lieber Marek, lieber Jörg,
    ich danke euch für eure Kommentare. Selbstverständlich habt ihr beide absolut recht. Ja, wir machen immer wieder die Erfahrungen, dass die Kinder im Wald, auf der Wiese oder am Feld stehen und die Pflanzen nicht kennen. Deshalb bin ich genau wie ihr zwei ein großer Befürworter des handlungsorientierten Lernens. Evtl. seid ihr in NRW, lieber Jörg, schon weiter, was die Bewertung von Leistungen im SU betrifft. Die Idee, ohne Klassenarbeiten im SU zu arbeiten finde ich gut. Wir haben aber nunmal diese Vorschriften und glaubt mir...noch handlungsorientierter als meine junge Kollegin hier im Unterricht arbeitete (diesen habe ich live erlebt) geht gar nicht. Es wurde mit allen Sinnen gearbeitet und wirklich immer am Original. Ich will auch nichts hier rechtfertigen...
    Ich finde den Austausch hier gut, weil er den Blick weitet. Und genau darum muss es ja gehen.
    Lieber Marek, mein Mann ist übrigens Biolehrer. Ich bin also ganz bei dir. Trotzdem sind Klassenarbeiten in SN ein Bestandteil der Bewertung.....und die Kollegin hat keine Bildchenabfrage gestartet. Sie hat mit Originalen gearbeitet. Die Zuordnungsübung besteht natürlich aus Bildern und das finde ich nicht verwerflich, weil alle Blätter und Früchte trotzdem im Original zu sehen waren.
    Aber was mich freut, dass auch einmal inhaltlich diskutiert wird....Deshalb noch einmal DANKE!
    Liebe Grüße von Arnie

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